Ultraviolett - 14 Momentaufnahmen aus unbestimmten Tiefen


Bestellbar hier im sonderpunkt Verlag


Eine Sprache, die auf jedes unnötige und überflüssige Wort bewusst verzichtet, lässt Raum entstehen. So wird es möglich, die emotionale Tiefe auszuloten, die die Texte von Christoph Aschenbrenner verbindet.
13 kurze Prosastücke und ein Gedicht berühren alltägliches bis nicht alltägliches. Jeder Text verweilt bei einem anderen Thema bzw. fängt einen anderen Moment ein, "fast wie in einzelnen Filmsequenzen" (hemmy). Diese kreative Vielfalt zeugt von der langen Zugehörigkeit des Autors bei der Autorengruppe Sem;kolon.




Christoph Aschenbrenner: "Ultraviolett
- 14 Momentaufnahmen aus unbestimmten Tiefen"
sonderpunkt Verlag, Münster, Februar 2014
Reihe: Sonderpunkte 48
Taschenbuch, Format A6, 42 Seiten
ISBN 978-3-95407-035-0
Preis: 4,90 €


Deutsche Literatur, Belletristik, erzählende Literatur


In Münster ist das Buch wie auch Live! Poet auf der Bühne und "Nur einen Atemzug, einen Kuss entfernt" im
ROSTA Buchladen
Aegidiistr. 12
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Eintrag in DNB




LESEPROBE aus dem Buch:

Toni Castelli hat den Blues

Die Türklingel.
"Scheiße!" Er zieht die Hose an, hastet zur Tür und öffnet.
Es ist Gina: "Hallo?"
Er knallt die Tür zu. Man hört Flüche und Geräusche.
Ihr Finger drückt nochmal auf das Folterinstrument: "Riiing! Riiing!"
Die Tür geht wieder auf.
Er: "Mach, dass du verschwindest!"
Ihre Augen wandern nach oben und fixieren etwas vor ihrer Stirn, was ein niedliches Schielen verursacht.
"Ich sage es nicht zweimal", und er entsichert den Smith & Wesson, dessen kurzer Lauf gerade mal anderthalb Zentimeter von ihrem Kopf entfernt ist.
Gina weicht zwei Schritte zurück, als der 38er ihren Bewegungen folgt, flüchtet sie ins Treppenhaus.
"Lass dich hier nie wieder blicken!", hört sie von oben.
"Ich kann dich ja mal anrufen, Toni", ruft sie zurück.
Paw! Die Antwort schlägt neben ihr im hölzernen Treppengeländer ein. Wieder in der Wohnung wirft er den Revolver auf den Glastisch. Es scheppert gewaltig.
Wer war das, Schatz?", kommt es aus dem Schlafzimmer.
"Niemand! Und nenn’ mich nicht 'Schatz', ich hasse das!"
Toni massiert mit den Fingerspitzen seine Schläfen.
"Komm doch wieder ins Bett!"
"Jaja …" Er geht in Richtung Schlafzimmer, zögert. Dreht sich um, sucht seine Schuhe. Er streift sich ein T-Shirt über den hageren Oberkörper. Findet die Schuhe in der Küche auf dem Kühlschrank. Zieht noch ein Sakko an, ruft:
"Bin gleich wieder da!"
Er lässt die Wohnungstür langsam ins Schloss fallen.
Toni hastet die Stufen herunter. Draußen haut die Sonne auf sein kurzgeschorenes Haupt. Er achtet nicht auf die Passanten. Als er achtet nicht auf die Passanten. Als er die Straße überquert, muss ein Autofahrer voll in die Eisen. Es wird gehupt. Zwölf Blocks weiter sieht er ihren Wagen vor der Bar.
Gina sitzt am Tresen und trinkt hartes Zeug. Es wird ihr nicht bekommen. Er setzt sich zwei Hocker weiter neben sie und bestellt eine Tasse Tee.
"Hast du deine Pistole dabei? Komm, erschieß mich doch, wenn du dich traust!" Ginas Stimme schlingert schon.
"Es ist ein Revolver." Toni sieht sie nicht an.
"Ich sollte ihn bei den Bullen verpfeifen!", wendet sich Gina an den Barkeeper. "Toni Castelli hat gerade versucht, mich abzuknallen!"
"Möchten Sie Zitrone zum Tee?" Toni nickt.
"Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Ach, ihr Männer seid doch alle gottverdammte Schweine!"
Toni zum Bartender: „Wie viele von diesen Drinks hatte sie schon?"
Der Mann hinter dem Tresen hält fünf Finger hoch.
"Komm, ich bringe dich nach Hause."
"Verpiss dich!"
"Ja sicher, Gina, und jetzt gehen wir."
"Du kannst ja gehen … zu deiner neuen Schlampe … wie heißt sie gleich noch mal? Ich bleibe! Und ich trinke noch einen …"
Er kann Gina gerade noch auffangen, als sie vom Hocker fällt.
[...]