"Was ist Literatur?"

Wenn Literatur eine Funktion hat, dann die, dass anhand eines konkreten Beispiels etwas für viele Nachvollziehbares gezeigt wird.
Können sich viele mit etwas identifizieren, das sie selbst kennen, dann steht man nicht mehr allein da.

Christoph Aschenbrenner führt aus:

"Es unbedeutend, um welches Thema es geht. Dem Autor muss nur gelingen, einen Nerv zu treffen und authentisch und überzeugend zu sein. Dabei hat Literatur die vollkommene Freiheit bei der Wahl der Mittel. Der Autor selbst jedoch, das ist meine persönliche Überzeugung, hat sich da raus und zurück zu halten. Die Frage an mich, 'Ist dir das wirklich so passiert?', amüsiert mich am meisten!"

Ein Autor kann biografisches verarbeiten, es soll nur nicht die Transformation behindern. Die Transformation von alltäglichen Beobachtungen, Handlungen, Gedanken und Gefühlen zu einer übergeordneten, für viele verständliche Sprache - die die Literatur ist.

"Warum schreibst du?"

Man schreibt nicht, wenn etwas in Ordnung ist. Schreibt man, dass alles in Ordnung ist, dann, weil vorher etwas nicht in Ordnung war.

Dazu Christoph Aschenbrenner:

"Sinn allen schöpferischen Tuns ist das Ordnen des Chaos, das das Leben ist. Der Ausgleich von Gegensätzen, das Beruhigen von Spannungen. Künstler sind sehr sensibel darin, Kontraste wahrzunehmen und sie darzustellen. Auch geringe Umstände können weitreichend Folgen haben."

Missverständnisse entstehen, wenn wir nicht bereit sind, in der Kommunikation auch den Blickwinkel des Gegenübers einzunehmen. Unermüdlich wirkt der Künstler als Korrektiv.

"Woher kommen deine Ideen?"

Es gibt Autoren, die von einer Idee ausgehen und planend strukturiert an die Arbeit gehen, einen Plot anlegen und das Skelett mit Geschriebenem füllen. Das Ganze muss nicht sofort präsent sein. Es ergibt sich je nach Genre.

Und beim Autor Christoph Aschenbrenner?

"Keine Ahnung, woher meine Ideen kommen. Sie sind einfach da.
Oder wie es ein Freund formulierte: Zufälle. Dass jemanden etwas zufällt. Ohne es willentlich herbei zu führen.
Es ist kein Mysterium. Eine Beobachtung, völlig unbewusst, kann eine Idee hervorbringen.
Es bedeutet aber auch, sich lösen von Erwartungen. Den eigenen und die, anderer.
Ich weiß nicht, was ich als nächstes schreibe. Eine Short Story. Ein Gedicht. Oder einen Roman."

Aschenbrenner macht sich keine Sorgen, dass ihm die Einfälle mal ausgehen könnten. Er würde dann Rosen züchten. Und lacht.

"Für wen schreibst du?"

Über 25 Jahre war Autor Christoph Aschenbrenner bei der Gruppe "Sem;kolon". Er hat alle Generationen dieser Autorengruppe kennengelernt.

Einmal kursierte dort eine "Definition" von Autoren: "Ein Autor schreibt entweder für den Leser - oder für sich." Ob man das ernst nehmen soll?

Aschenbrenner: "Ich finde mich ganz klar auf der Seite der Autoren wieder, die für sich selbst schreiben. Wenn das einem Publikum gefällt, ist es okay. In erster Linie geht es mir aber um die Kunst. Die reine Kunst, die alles Mögliche ausprobiert. Darf und muss. Bei der anderen Fraktion, die für den Leser schreibt, werde ich aus meiner Position das ungute Gefühl nicht los, es geht ums Geld. Und nicht viel mehr. So lebe und schreibe ich nicht."

Angaben zu einem neuen Buchprojekt des Schriftstellers Christoph Aschenbrenner können noch nicht gemacht werden. Er lässt sich Zeit.