Falko & David

13 Kapitel über's Saufen, Sex und Frömmigkeit. Angeregt von Christian F.

9:: Hausbesuch

Falko öffnet mir die Tür. Er macht ein Gesicht, als hätte man ihm einen Lottogewinn irrtümlich zugestellt, und sämtliche Gläubiger hätten angerufen.
"Krebs?" frage ich.
"Speiseröhrenkrebs."
David liegt im Wohnzimmer. Er spricht mit heiserer Stimme und schwitzt und friert zugleich.
"Ja, mein lieber", meint er zu mir, "nun ist es aus."
"Was sagt der Arzt?"
Falko: "Zu einem Arzt mag er nicht gehen."
Ich beuge mich vor, mein Mund nahe an Davids Ohr, damit er im Todeskampf noch versteht, was ich sage: "Ich glaube, es gibt noch Hoffnung für dich!"
Falko tupft Schweiß von Davids Gesicht.
"Nun, aufgrund meiner Beziehungen zur äh... Psychosomatischen Medizin wurde mir ein besonderer Spezialist empfohlen. Er ist absolut der Beste für diese Situation."
Ich stelle die Flasche auf den Tisch. Jack Daniels.
"Au, fein!"
David pfeffert den Rosenkranz in die Ecke und geht Gläser holen.
"Na gut, dass es nicht so lange gedauert hat wie letztens die Tuberkulose", meint Falko.
"Die Lepra war auch nicht schlecht."
Später, als Doktor Daniels 40 Umdrehungen meines Kopfinhalts verursacht hat, habe ich vergessen, Falko zu fragen, was Sabrina eigentlich von mir will. David bestellt Pizza für alle. Er streitet sich am Telefon um die Anchovis, die von der einen Pizza runter und auf die andere drauf sollen. Oder so. Ich weiß nix mehr.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

5:: Seligkeit

Da nur Falko den Führerschein hat, fuhr natürlich er. Es war schon dunkel, als er und David heim kamen. Der Weg zum Stellplatz ging durch ein verträumtes Dörfchen mit schmalen Gassen, mit Steigungen und Gefälle. An einer engen Kreuzung sagte David: "Rechts!"
"Schwätzer", konstatierte Falko und riß im letzten Moment das Steuer nach links.
"Gib zu, altes Hugenottenvieh, ich habe dich irritiert."
Falko gab nichts zu, er murmelte nur etwas in seinen Bart, den er sich immer im Urlaub stehen ließ.
Falko und David hatten den kleine Wohnwagen an den Polo gehängt und waren nach Burgund, Frankreich, gefahren. Dort fanden sie einen Bauern, der ihnen gerne gegen steuerfreie Einnahmen einen Stellplatz mit Plumsklo überlassen hat.
Falko und David sind in die nächst größere Stadt gefahren, um sich mit allem einzudecken, was man Zuhause vergisst oder lieber vor Ort kaufen will. Vor allen Fällen Wein und Taschenlampenbatterien. Der Weg zum stillen Örtchen war unbeleuchtet. Außerdem hat David in der Stadt die Abtei besucht. Sie ist im 10. Jahrhundert ein religiöses Zentrum gewesen.
Sie verlebten sorglose Tage. Abends prosteten sie den Fröschen zu, die ihr Bestes gaben, um Beethovens Klavierkonzerte zu ersetzen, denn das Radio im Auto ging kaputt.
Am letzen Tag ging David Ziegenkäse beim Bauern kaufen, er meinte zu Falko: "Wir müssen Killer doch was mitbringen!"
Vor mir steht der Käse und ich zögere. David stellt ihn wortlos weg.
"Dann kommt jetzt der Cointreau!" sagt Falko.
"Nicht der Cointreau!"
Aber David holt drei große Gläser. Ich sacke in mich zusammen. Ist da nicht ein Schatten um Davids Kopf geflogen? Falko zündet sich eine Zigarette an. Ich mir auch. Später ahmen wir fröhlich das große Konzert der Frösche nach. Auf beethovisch.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

1:: Wiener Blut

"Dös is a Rockrabaukn."
"A Musiker?"
"Na, a literarischer."
"Do schau her!"
"Jötzt hata a woirme Zellen, wos zo boißen und a Tracht Prügeln gratis. Da san mer net göizig."
In der Stahltür geht die Klappe wieder zu. Gesehen habe ich nichts, dafür sind meine Augen zu geschwollen.
Eigentlich war es eine gute Idee. Eigentlich ist sie das immer noch. Bin mit Falko nach Wien gefahren. Ein paar Leute besuchen, wie Falko meinte.
In dem 72er Käfer knapp 1.000 Kilometer genagelt. Im Sacher Likör getrunken und zum Prater gezogen.
Trafen aber keine von Falkos Leuten, sondern Zigarettenschmuggler. Mit denen von der Polizei aufgemischt worden, was ich irgendwie in den falschen Hals bekam. Ich setze mit zur Wehr, Eigenzitate skandierend.
Die Stimme ist immer noch schwächer als Gummiknüppel. Falko versucht die Kaution aufzutreiben.
Mir schmerzt zwar alles, doch habe ich hier meine Ruhe. Durch die Mauern dringt nichts, nur die allgegenwärtige Morbidität.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

 

 

2:: Mit dem Flieger

Ich habe Termine bis zum Arsch, aber ich darf die Donaustadt bis zur Verhandlung nicht verlassen. Also trinken Falko und ich Eierpunsch und warten. Woher er die Kaution hat, darüber will er nicht sprechen.
Mach dir keine Sorgen", meint er nur.
David heult mir einen am Telefon vor. Will ihm nicht sagen, wie verletzt ich bin, aber er weiß es schon. Er verspricht, mich zu bekochen, wenn wir zurück sind. Vom feinsten. Manchmal hat er mütterliche Züge.
Gerichtsverhandlung. Jetzt bin ich vorbestraft in Österreich. 1.000 Schilling Bußgeld. Aus Falkos geheimnisvoller Quelle wird auch das bezahlt.
Falko bringt mich zum Flughafen. Unser geheimnisvoller Mäzen will, daß ich den Flieger nehme.
"Wie kann ich mich bei ihm bedanken?"
Falko: "Er wird auf dich zukommen. Er ist übrigens eine sie."
Der Käfer nagelt gen Norden. Falko versucht sich mit Zigaretten und geöffnetem Fenster wach zu halten.
An Bord der Austrian Airlines nippe ich am Whiskey. Zuhause wird mir alles wie Provinz vorkommen. Tiefste - Provinz.

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3:: Rekonvaleszenz

Daheim. David pflegt mich rührend. Zwischendurch erscheint ihm die heilige Jungfrau Maria. Nach dem vierten Tag auf dem Sofa von Falko und David ist es bei mir mit der Ruhe vorbei. Während David die Erbsen in der Küche liest, ziehe ich mich an und will mich davon stehlen. Falko kommt nach Hause.
"Na? Schon auf?"
"Falko, ich danke Euch für alles, alles. Aber ich muß mich jetzt wieder um meine Termine kümmern. Eine Menge Scheiß ist liegen geblieben, weißt du?"
David kommt, erkennt die Situation und meint: "Aber einen trinkst du noch mit uns!"
"Ihr beiden lieben, es geht nicht! Es ist absolut unmöglich, noch länger... Was haste da?"
Vier Flaschen Pernod später frage ich mich, wer zur Tankstelle gehen soll und Bier holt.
David spielt auf dem Klavier eine Etüde vor. Falko telefoniert mit Sabrina, sieht in meine Richtung und sagt: "Ja, und wenn du herfährst, dann bring doch auf dem Weg einen Kasten Bier mit! Gut! Bis gleich." Ich mache: "Gagelgagel."

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4:: Tatendurst

Ich stehe im Büro vor dem Schreibtisch der Sekretärin.
"Herr Wagenhuber hat angerufen."
"Was wollte er?"
"Herr Wagenhuber bittet um die Bestätigung der Korrekturen."
"Hm. Wissen Sie was? Ignorieren, einfach ignorieren."
"Ja, dann war da noch der Anruf der Lektorin des neuen Verlages."
"Ignorieren!"
"Herr Welter."
"Ignorieren. Ignorieren."
"Und Ihr Freund David."
"Ah! Was wollte er?"
"Es ging um... Krippenfiguren."
"Ach ja, er schnitzt sie selber."
"Oh! Ihr Freund muß ja begabt sein."
"Motiviert ist hier wohl eher das richtige Wort. Ich rufe ihn an. Sonst noch was?"
"Liegt alles in Ihrer Unterschriftenmappe."
"Danke."
David sitzt in der Küche. Nebenan geben Bachs Brandenburgische Konzerte ihr bestes, um ihn aufzuheitern. Seine Schnitzversuche sehen allesamt wie kleine Weinflaschen aus.
"Falko!"
David pfeffert das Schnitzwerkzeug in einen Kasten.
"Falko?"
"Ja-ah!"
"Wir brauchen einen Tonofen!"
Falko steht mit der soeben noch studierten Zeitung im Türrahmen.
"Darf ich dich daran erinnern, dass wir Hochsommer haben?"
"Na und? Killer kann günstig einen besorgen."
Das Telefon klingelt. Falko geht ran, reicht den Hörer an David weiter: "Is' für dich."
"Hallo? Ja, Killer. Hör mal, Tonfiguren sind die Lösung! Weihnachtskrippenfiguren aus Ton. Maria, Josef und das Jesus... Daß man das alles kaufen kann, weiß ich auch! Ob mir was fehlt? Ja, Respekt vor meiner künstlerischen Ader! Ich fang' gleich zu heulen an!"
Ich merke, David ist ziemlich am Ende.
"Hör zu. Das Beste ist, wir reden heute Abend darüber, ich bringe was schönes mit... Ja, Tequila, gut, wird gemacht. Und dann wollen wir sehen, ob es nicht eine Lösung gibt."
Am Abend sitzen wir drei zusammen, saufen Tequila und haben aus den verunglückten Schnitzwerken Flöten gemacht, die bei jedem Heben der Gläser angeblasen werden.

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11:: Einer der verlorenen Tage

Heute Morgen komme ich so gut wie blau ins Büro. Direkt von Falko und David. Barsch weise ich die Sekretärin an, kein Telefonat durchzustellen und stärksten Kaffee zu machen. Dann schlage ich die Tür meines Zimmers hinter mir zu.
Ich suche Aspirin. Weder in der linken noch der rechten Schreibtischschublade welches. Aber ich muß doch... ah, vor mir auf dem Tisch.
Kaffee kommt. Sie lächelt. Sie hat immer ein Lächeln für mich. Ich versuche zurück zu lächeln. Wenigstens nur eine Andeutung. Aber nix, mein Gesicht versagt mir den Dienst.
Später nach Kaffee und Aspirin brauche ich neue Kippen. Hätte gar nicht erst kommen brauchen.
Wesentlich freundlicher melde ich mich bei ihr ab. Meine Sekretärin kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Diese Literaturagentur, in der ich eigentlich nur damit beschäftigt bin, meine eigene Literatur zu vermarkten, gehört ihr, und sie bezahlt mich auch. Es ist ein devotes Verhältnis mit geschäftlicher Basis - wenn sie es braucht. Sie hat geerbt oder so was, weiß nicht genau. Profit machen wir keinen.
Zuhause schlafen. Danach duschen. Rasieren. Langsam fühle ich mich wieder als Mensch. Mein Magen meldet sich endlich und wird beim Italiener gefüllt.
Als ich bei David und Falko ankomme, frischt David Jesus am Kreuz mit Silberfarbe auf. Sie trinken Weizenbier, auch ihnen muß es gestern etwas zu hoch her gegangen sein.
Falko: "Auch ein Bier?"
"Äh? Nein, danke."
David ist am INRI-Schild angekommen. David ist vom Judentum konvertiert. Er betrachtet sein Werk. Hält mir das Kruzifix vor und meint: "Kann man das verchromen?"
Christus leidet so sehr.
"Was willst du mit einem verspiegelten Jesus? Es geht übrigens nur bei glatten Körpern, glaube ich."
"Noch was von Sabrina gehört?" Falko nippt am Bier.
Ich hatte neun mal hemmungslosen Sex mit ihr. Ich weiß nicht mal, ob sie verhütet. Ich kann eigentlich nur ihren Körper leiden. Ich versuche, sie los zu werden. Ich weiß nicht warum Frauen ein Problem damit haben. Sex ist lediglich mal 'ne Abwechslung zum dauernden es sich selbst machen. Sie ruft in zwanzig Minuten Intervallen im Büro an.
Ich sage Falko: "Nö."

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

12:: Verkehr

David kommt beschwingt von der Sonntagsmesse. In der Küche beschäftigt summt er seine Lieblingslieder. "Großer Gott wir loben dich. Herr wir preisen Deine Stärke."
Falko ist verreist, ich wurde zum Essen eingeladen. Ich packe den Ouzo in eine Kühlbox, nehme den Autoschlüssel, will die Wohnung verlassen, habe aber noch was vergessen, dann los.
Natürlich springt die Dreckskarre wieder nicht an.
David macht Lammrücken. Er dekantiert den Rotwein. Stellt Kerzenleuchter auf den Tisch. Stellt sie wieder weg.
Ich konnte zwei Straßenjungs dazu motivieren, mein Auto anzuschieben. Ein bisschen rüde schwimme ich durch den Verkehr. Wollen die alle zu David?
David durchsucht Falkos CD-Regal. Was leichtes. Aber doch feierlich.
Mit letzter Not komme ich an der Ampel zum stehen. Das Heck des Wages schert ein bisschen aus. Nee! Nicht bei dieser Mistampel. Ich habe schon mal bei höchstens mittel orange Punkte kassiert. Die Ampelphase über überlege ich, dass wenn hinten der Wagen beim Bremsen ausbricht, wohl dort eine der Bremsen nicht mehr ganz in Ordnung ist...
Bei David ist alles wie es sein soll. Nur der Gast fehlt. Endlich klingelt es an der Tür. Verschwitzt komme ich an und verfluche die Parkplatzsuche.
"Verschnauf dich erst mal", lacht David. "Ich stell noch den Ouzo kalt."
"Es riecht schon so gut", meine ich.
"Es gibt Lamm", höre ich ihn aus der Küche.
In der Jackentasche fühle ich nach. Kondome. Extra feucht.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

13:: Zahltag

Pünktlich wie immer hat meine Chefin die Überweisung getätigt. Mein Gehalt. Nun habe ich eine Woche Zeit, mit ihr das zu machen, worauf sie sehnsüchtig jeden Monat wartet.
In unserer Agentur ist sie Sekretärin und Mädchen für alles. Und wir sind ja nur zu zweit.
Wir haben uns zu siezen und in Geschäftskleidung zur Arbeit zu erscheinen. So steht es im Vertrag. Sie hatte wohl nicht viele Bewerber für diese Konstellation.
Ich habe einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Sie warten zu lassen, steigert ihre Erregung. Sie löscht jedes Licht, wenn sie auf mich wartet. Endlich! Sie hört die Tür. Keuchende Lust. Ein Strauß Rosen lege ich auf Nachttisch. Ich sage nichts. Ich weiß, sie ist nackt.
Ich beginne jede einzelne Stelle unter ihrer Haut zu massieren. Zeit lasse ich mir. Ich kann es riechen. Im Schritt ist sie mehr als feucht. Mit einem Ruck nehme ich ihre Handgelenke und binde sie mit meinem Schal ans Bettgestell. Sie scheint vor Verlangen zu jammern. Ich fahre an ihr herunter. Die Beine spreizt sie allein. Es braucht nicht viel, um sie oral zu befriedigen. Ich löse den Schal etwas und gehe. Mein Gott. Die Frau ist über 30...
Diesen Monat ist es anders. Alles ist beleuchtet. Meine Chefin erwartet mich mit einer Zigarette und in freizeitlicher Kleidung. Sie sieht den Strauß.
"Danke, dass Sie immer daran denken."
"Stimmt etwas nicht?"
"Es geht heute nicht."
"So werde ich wieder gehen?"
"Bitte bleiben Sie noch ein bisschen. Etwas zu trinken?"
"Ja, gerne."
"Ich könnte Caipirinhas mixen."
"Wenn es nicht zuviel Mühe macht..."
"Ach was!"
Später. Bin schon ganz schön beduselt. Die Situation ist grotesk. Eigentlich her gekommen, um meine Sekretärin zu befriedigen, sitze ich nun ausgelassen mit meiner Chefin Caipirinhas am kippen, erzähle von der Wienfahrt mit Falko, und dass ich bis heute nicht wüsste, wer mich rausgehauen hat aus den Klauen der österreichischen Justiz. Und sie lacht, weil sie es so komisch betont fand, wie ich sagte: "Rausgehauen hat aus den Klauen der österreichischen Justiz." Und ich lache auch wieder. Und sie nimmt einen Schluck von ihrem Caipirinha, sammelt sich und sagt: "Das war ich."
"Sie?!"
"Ja, ich."
-
"Ich stehe in Ihrer Schuld!"
"Ach was!"
"Aber..."
"Nichts aber! Es war doch klar, dass Falko mich zuerst anrufen würde. Und es war mir nicht egal, Sie misshandelt in einem Gefängnis sitzen zu wissen. Eine dumme Geschichte. Vergessen wir es einfach."
Ich schweige. Zum ersten mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, eine partnerschaftliche Beziehung zu haben.
Sie bringt mich zur Tür. Lange schaue ich sie an. Bis sie verlegen wird.
"Gehen Sie schon, Killer!"
Ich gehe.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

6:: Die Sonnenflüchter

"Raus, Killer! An die Sonne! Mensch! Du hast ja noch die Rollos runter! Du verpasst was!"
David ist da. Er will die Urlaubsfotos aus Frankreich zeigen. Er und Falko in Burgund.
"Es ist wie Lotto spielen. Die Leute spielen und spielen aus Angst die Millionen zu verpassen. Aber gewinnen tun sie nie. Wenn ich hier im Bett liegen bleib, ist die Chance 1 zu 60 Millionen, oder wasweissich wie viele Lotto spielen, dass ich etwas verpasse."
David lacht, fragt, ob ich etwas zu trinken habe.
"Irgendwo steht noch ein Bourbon."
David setzt sich zu mir ans Bett. Wir trinken schweigend.
"Depressionen?" fragt er fürsorglich mit einem zärtlichem Unterton. Er setzt mir einen Kuß auf die Lippen.
Ich hatte noch nie einen Schwanz im Arsch, besonders nicht David seinen. Das feuchte Kondom macht es angenehm.
Ich habe alle Gedanken im Kopf, die ein Mensch denken kann. Und keinen einzigen. Alle Gefühle des Kosmos und doch unendliche Leere. Dann kommt David.
Unten bei mir zieht und zuckt es noch. Dann greife ich in der Stille zum Glas, während David neben mir einschläft.
Später. David raucht sich eine.
"Wie war es für dich?"
Er legt einen Arm auf meine Schulter.
"Es war, als ob Stalin und Hitler mich gleichzeitig gefickt hätten."
David wirkt verlegen. Ich küsse ihn. Dabei kratzt ein bisschen sein Bart.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

7:: Emotionen

Samstagnachmittag. Die Zeit, in der David alles sauber gemacht hat und Falko vom Einkauf zurück ist. Sie lungern im Wohnzimmer herum und trinken Grappa und versuchen sich gegenseitig Schoko-Crossies in den Mund zu werfen.
Falko: "Hab ihn! :-) "
David: "War das ein :-) oder ein ;-) ?"
"Was denkst denn du? Ein ;-) sieht so aus." Und Falko macht die dazugehörige Miene.
" :-D ", zieht David als Grimasse, "das kannst du besser!"
" :-P "
Eine Weile schweigen sie. Trinken Grappa. David wirft. Falko fängt das Schoko-Crossie nicht.
" :-( . Schon wieder! Wo ich doch alles gesaugt hab'!"
"Was wirfste auch daneben! >:-( "
Schweigen. Grappa. Es klingelt.
Falko macht mir auf: " :-) "
Ich weiß, sie saufen wieder Grappa und verziehen ihre Gesichter wie Smilies.
" x-( "
Falko: "Mensch! Hattest du einen Stresstag? Komm rein! David! Noch ein Glas!"

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

10:: Streit?

Ich habe mich bei Sabrina davon gestohlen. Es ist zu spät, ins Büro zurück zu gehen, ich gehe zu Falko und David.
David öffnet mir die Tür.
"Hallo! Wir spielen Rühmann."
"Das passt."
Falko und David haben sich das Heinz Rühmann-Spiel ausgedacht. Etliche Gläschen Bommerlunder stehen in Eis auf einem Tablett. Dazu unterhält man sich lebhaft. Sinn des Spiels ist, den anderen dazu zu bringen, ein Wort auszusprechen, das es erst nach 1944, nach Heinz Rühmanns Paradefilm, "Die Feuerzangenbowle", gibt. Der Verlierer muß dann einen Bommerlunder kippen.
Im Wohnzimmer nehme ich ein Glas, sage: "Handy!" Und ich stürze den Schnaps hinunter.
"Flachbettscanner!"
"Faxgerät!"
"Apollo 13!"
"Natodoppelbeschluß."
Nach dem letzten Glas gucke ich die beiden an.
"Ich habe gerade mit Sabrina geschlafen."
"Höhö! Zählt nicht!"
"Ich-habe-gerade-mit-der-Sabrina-Sex-gehabt!!!"
"Zählt immer noch ni... was?" Falko springt auf.
David wedelt mit der Kirchenzeitung: "Das gibt Ärger..."
"Wie konntest du? Thermopenverglasung!" Falko nimmt einen Bommerlunder.
"Weiß nicht, ist einfach so passiert. Zentralverriegelung."
"Wie passiert, denn so was einfach so?" fragt David.
"Na ja. Ein Kaffee. Noch einen. Sekt. Bett."
"Zählt nicht."
Falko und ich zugleich: "David!"
"Macht, was ihr wollt," David steht auf, "schlagt euch meinetwegen die Köppe ein oder so. Ich geh spülen."
Falko und ich sind verlegen. Ich setze mich. Er auch.
David spült. Er bringt den Abfall runter. Nimmt ein Bad bei Mozarts "Jupitersinfonie". Als er nach uns sieht, sind wir eingeschlafen. Aus den Seiten der Kirchenzeitung haben wir Papierflieger gebaut, und sie überall im Zimmer fliegen lassen.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER

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Impressum

Literatur von C. Aschenbrenner

8:: Filmriss

Falko und David haben den Sinn des Lebens gefunden. Wir trinken den einen und anderen Martini und hören Beethovens 5. David erzählt, während Falko die Hemden bügelt, daß sie auf dem Höhepunkt eines brachialen Besäufnisses den Sinn des Lebens gefunden hätten, und ihn sofort auf einen Zettel geschrieben haben.
Ich lasse den Wermut Tröpfchenweise die Kehle runter rinnen.
"Und?" frage ich, "Was ist der Sinn des Lebens?"
Falko unterbricht das Bügeln.
"Das wissen wir nicht mehr. Am nächsten Morgen war der Zettel weg."
David: "Wir können uns nicht erinnern, was drauf steht."
"Ja", sage ich, "vielleicht war es nicht so wichtig."
Falko bügelt, David scharrt ein bißchen mit den Füßen auf dem Teppich und ich spähe ins Glas. Von Beethoven hört man schon lange nichts mehr.

©HRISTOPH ASCHENBRENNER